Das entscheidende
Vermögen liegt im Kern
jeder Persönlichkeit

Prof. Dr. Thomas Duyen
Werner Martini Vermögensberatung
Weinverkostung
Weingut Bastgen, Mosel
Weingut Bauer, Mosel
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Philosophische Gedanken zum Marktgeschehen


In der letzten Juli-Hälfte hat die Berichtssaison an Fahrt aufgenommen und läuft weiterhin auf Hochtouren. Bisher legten 150 Firmen aus dem S&P 500 ihre Zahlen und Ausblicke vor. Von diesen Unternehmen übertrafen 69,4 % die Analystenerwartungen bei den Gewinnen und 63,8 % bei den Umsätzen. Dabei wurden die Gewinnerwartungen durchschnittlich um 9,8 % übertroffen, die Umsatzerwartungen um 5,4 %.

Die Zahlen europäischer Firmen für das 2. Quartal konnten bisher die Erwartungen mehrheitlich erfüllen: Hier stiegen auf Basis von 61 % der Stoxx-600-Firmen die Gewinne um rund +10,1 % (vor allem bei Medien-, Freizeit-, Technologie- und Rohstoffunternehmen). Allerdings differenzieren die Märkte die vorgelegten Quartalszahlen derzeit sehr stark. Werden Analystenerwartungen getroffen und/oder übertroffen bzw. Jahresprognosen bestätigt oder angehoben, wird dies zum Teil mit deutlichen Kursgewinnen belohnt oder sorgt bei aktuell eher rückläufigen Märkten für stabile Kurse. Hier seien beispielhaft Linde, VW, Siemens und auch Fresenius und FMC genannt. Werden Erwartungen verfehlt, sind die Kursrückgänge umso drastischer, wie gestern beispielweise bei Adidas, die nach der Zahlenvorlage und damit verbundener Gewinnwarnung um über 15 % nachgaben.

Aktuell reagieren die Finanzmärkte äußerst sensibel auf geopolitische Gefahren, gerade wenn die Versorgung mit Rohöl in Gefahr geraten könnte. Mit Russland und dem Nahen Osten konzentrieren sich die Krisen derzeit auf zwei rohstoffreiche und für die Industrieländer daher wichtige Regionen. In der Ukraine sind die Auseinandersetzungen längst eskaliert. Mittlerweile umfasst das Kampfgebiet die Stadt Donezk, wo noch vor zwei Jahren Spiele der Fußball-Europameisterschaft ausgetragen wurden.

Aus europäischer Sicht weiter weg ist zwar der Nahe Osten, doch Unruhen und Konflikte dort haben in der Vergangenheit häufig die Risikoaversion der Anleger deutlich steigen lassen. Das lässt sich momentan auch an steigenden Volatilitäten ablesen. Diese sind zwar nach wie vor auf einem niedrigen Niveau, allerdings wird Nervosität derzeit etwas größer.

Die Frage ist jedoch: Wann kippt die Stimmung? Ein noch immer unterschätztes Risiko ist das einer Zinserhöhung in den USA zu einem früheren Zeitpunkt als vom Marktkonsens erwartet. Die Fed hat ihren aktuellen geldpolitischen Kurs bestätigt, indem die Wertpapierkäufe ab August um weitere 10 Mrd. Dollar auf dann 25 Mrd. Dollar je Monat zurückgefahren werden. Insgesamt hat die US-Notenbank die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage trotz zuletzt positiv ausgefallener Konjunkturdaten nur wenig verändert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft ist nach den letzten Daten im Zeitraum von April bis Ende Juni mit einer hochgerechneten Jahresrate von 4,0 % gewachsen.

Die Rendite der Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren ist Ende Juli auf ein neues Rekordtief von 1,114 % p.a. gesunken. Damit kann sich der deutsche Staat aktuell so günstig Geld leihen wie noch nie zuvor. Neben den Renditen der deutschen Bundesanleihen sind auch die Anleiherenditen in der Peripherie gesunken. Beispielsweise zahlt Spanien derzeit für 10-jährige Anleihen 2,5 % p.a., gegenüber 7,5 % p.a. zu Zeiten der Eurokrise.

Die EZB wird unserer Auffassung nach ihre lockere Geldpolitik in den kommenden Monaten beibehalten, möglicherweise auch weitere Maßnahmen beschließen wie z.B. ein Programm zum Aufkauf von Anleihen (Quantitative Easing). Fazit: Die Zinsen werden auf absehbare Zeit niedrig bleiben und somit auch die Renditen für Spareranleger.

Für den weiteren Verlauf des Sommers ist (typisch für diesen Zeitraum des Jahres) mit weiter stark schwankenden Märkten zu rechen. Insbesondere bei Einzelaktien wird es weiterhin deutliche Reaktionen auf Nachrichten und Quartalsberichte geben, sowohl positiv wie auch negativ. Wir bleiben bei unserem grundsätzlich positiven Szenario für die Aktienmärkte, bevorzugen aber nach wie vor defensive, dividendenstarke Titel. Wenn das Geschäftsmodell weiter positiv zu beurteilen ist und auch die Dividendenschätzungen für die nächsten Jahre beibehalten werden, sind wir bereit, Kursrückgänge in gewissem Rahmen durchaus zu tolerieren und auch auszuhalten. Die oben beschriebene Ausrichtung der Notenbanken sollte weiter für niedrige Zinsen sorgen und trotz aller möglichen Kurskorrekturen Aktieninvestments grundsätzlich positiv beeinflussen. Mit zyklischen Investments halten wir uns aufgrund der derzeitigen Nachrichtenlage und auch der technischen Verfassung der Märkte zurück.

Disclaimer
Die hier beschriebenen "Börsengedanken" sind vornehmlich durch Erfahrungen getragen und beschreiben Themen und Berichte aus der Finanzwelt. Diese eher philosophischen Gedanken sind keine Informationen wie sie in Börsenbriefen zu lesen sind und eignen sich auch nicht, um Käufe oder Verkäufe zu tätigen.